15.06.2012 - Die Rheinpfalz
Aufstiegstraum platzt früh
Erstmals in der Geschichte des Deutschen Handball-Bundes gab es eine eingleisige zweite Bundesliga. Für die TSG Friesenheim verlief die Premieren-Saison ernüchternd. Das lag am enormen Verletzungspech. Wohl kein Verein wurde personell so gebeutelt wie die TSG. Das Saisonziel war daher schnell außer Reichweite.

- Trainer Thomas König (Bild oben) musste diese Saison viel improvisieren. Das Verletzungspech zwang ihn dazu. Er hatte auch seine Trainingsmethoden deshalb hinterfragt, Kapitän Benjamin Matschke (Bild unten) war einer der Leidtragenden. Er erlitt einen Kreuzbandriss. FOTOS: KUNZ
Ludwigshafen. Das Saisonziel war rasch verpasst. „Wir wollen versuche, so lange wie möglich, an den ersten drei Mannschaften dran zu bleiben”, sagte Trainer Thomas König bei der Präsentation vor der Saison. Die ersten drei Mannschaften sind nämlich direkt in die Bundesliga aufgestiegen. Das sind Minden, Essen und Neuhausen. Die TSG wurde Elfter (37:39 Punkte).
Erstmals in der Geschichte des Deutschen Handball-Bundes gab es eine eingleisige zweite Bundesliga. Bislang wurde in den zweiten Ligen Nord und Süd gespielt. Die TSG wurde neben Minden, Emsdetten und Hamm zu den Titelfavoriten gezählt. Doch aus diesem Kreis steigt eben nur Minden in die Bundesliga auf. Für Friesenheim hat sich die Rückkehr in die Bundesliga rasch erledigt. Denn das extreme Verletzungspech hat die Mannschaft enorm gebeutelt. Korsettstangen wie Andrej Kogut, Benajmin Matschke, Ognjen Backovic, Felix Kossler und Kevin Klier fehlten länger. Zwischendurch kamen andere Spieler hinzu. Zeitweise waren nur sieben Akteure im Training. „Das war die schwierigste Saison für mich bei der TSG”, sagte Kapitän Matschke. Trainer König und sein Assistent Frank Eckhardt mussten manchmal mehr improvisieren. Seriöses Planen war nicht immer möglich. „Für die Verantwortlichen war klar, dass nach so einer Negativserie alle möglichen Stimmen hochkommen”, sagte Geschäftsführer Werner Fischer. Das führte so weit, dass König seine Trainingsarbeit hinterfragte. „Aber von allen Seiten kam die Rückmeldung, dass ich nichts falsch gemacht habe”, sagte König erleichtert. Die frustrierenden Wochen führten teilweise auch zu Kurzschluss-Reaktionen. Werner Fischer hatte seinen Vertrag als Geschäftsführer gekündigt, diese dann aber später wieder zurückgenommen. Fischer bleibt weiter Geschäftsführer - nunmehr im 17. Jahr. Der Verein ließ nichts unversucht, das Verletzungspech zu stoppen. Die Mannschaftsärzte wurden gewechselt - doch das Pech blieb.
Dabei sollte die TSG attraktiven, sympathischen und erfolgreichen Handball spielen, hatte Fischer vor der Saison als Parole ausgegeben. Und es fing auch so an. Die TSG startete mit 9:3 Punkten in die Saison. Es folgten vier Niederlagen in Folge. Zwischendurch feierte die Mannschaft einen wichtigen Sieg gegen Schwerin, ehe sich sechs Spiele ohne Sieg - ein Remis - anschlossen. Spätestens jetzt war das Saisonziel nicht mehr zu erfüllen. „Die Mannschaft ist aber über sich hinausgewachsen”, sagte Trainer König. Junge, bislang unerfahrene und unbekannte Spieler wie Maximilian Bender, Christopher Klee, Christian Klimek oder Sergiu Dumitru ersetzten die arrivierten Akteure in der Summe sehr gut. „Neue Spieler, speziell Talente, haben Verantwortung übernehmen müssen”, sagte Kapitän Matschke.
Solche personellen Rückschläge konnte letztlich keine Mannschaft in der Liga ausgleichen. „Die Liga war breiter aufgestellt”, sagte König. Kapitän Matschke meinte, dass in dieser Liga die Mannschaften oben stehen, die konstant gut spielten und vom Verletzungspech verschont geblieben sind. Die Spitze sei nicht so stabil gewesen, kommentierte König.
Die erste Saison der neuen eingleisigen zweiten Liga hat ein unterschiedliches Echo hervorgerufen. Philipp Grimm, mit 229 Toren bester TSG-Werfer kann dem Konstrukt nicht viel Positives abgewinnen. Das zeigen unter anderem die Insolvenzen des DHC Rheinland und der HSG Düsseldorf sowie der Rückzug des TV Korschenbroich. „Es wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen, ob sich das Modell etabliert”, sagt Matschke. Sechs bis sieben Jahre wird das dauern, vermutet König. Er glaubt, dass es mehr Vollprofis geben wird, was wiederum zu höheren Etats führen wird. „Daher könnten auch wir noch Sponsoren gebrauchen”, sagt König.














